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Dr. Péter Krüger

Geboren: 22.03.1960 in Budapest, Ungarn
Familienstand: Verheiratet
Kinder: Eine Tochter 20 Jahre, zwei Söhne 17 Jahre
Akademischer Grad/Beruf: Physiker, Dr. rer. nat.


Wissenschaftliche und berufliche Laufbahn:
  • 1981-1988 Studium der Physik, Uni Braunschweig
  • Diplomarbeit 1988, Uni Braunschweig in mathematischer Physik über „Quantenmechanische Resonanzen“
  • Doktorarbeit 1992, Uni Braunschweig in experimenteller Metallphysik über „Relaxation und Rekristallisation von amorphen und deformierten Metallen“
  • Ab 1993 Polymerphysik in der damaligen Zentralen Forschung der Bayer AG, Arbeitsgebiet „Polymerphysik von Thermoplasten“ in Leverkusen
  • Ab 2000 Leitung der Abteilung Polymerphysik in der damaligen Zentralen Forschung der Bayer AG in Leverkusen
  • Ab 2003 Leitung der Abteilung Polymerphysik in der damaligen Bayer Polymers AG in Leverkusen
  • Ab 2004 Leitung der Abteilung Physik in der Business Unit „Coatings, Adhesives and Sealants“ in der Bayer MaterialScience AG in Leverkusen
  • Seit 2006 zusätzlich Leitung der Bayer Working Group Nanotechnology
  • Seit 2008 zusätzlich Leitung des Innovationsallianz CNT
Momentan tätig bei: Bayer MaterialScience AG in Leverkusen


Was hat Sie bewegt, eine naturwissenschaftliche Laufbahn einzuschlagen?
Ich bin in einem theologischen und gleichzeitig naturwissenschaftlichen familiären Umfeld aufgewachsen und habe dort das breite Spannungsfeld vom übergeordneten Gedankengebäude und naturwissenschaftlichen Erklärungen der Natur sehr lebhaft wahrgenommen.
Die tiefe Frage nach dem „Warum“ und „Wie“, d.h. nach dem inneren Zusammenhalt der Dinge in unserer Welt, hat mich daher von Früh an stets intensiv begleitet. Auch der prinzipielle Zusammenhang zwischen Ursachen und Wirkungen war für mich von großem Interesse, ohne dass ich zunächst an einer praktischen realen technischen Umsetzung allzu sehr interessiert gewesen wäre.

Wie sind Sie zur Physik gekommen?
Innerhalb der Naturwissenschaften Physik, Chemie und Biologie bin ich letztlich zur Physik gekommen (obwohl mein Vater Biologe war), weil mich die klaren Gesetzmäßigkeiten und die daraus folgende scheinbare Berechenbarkeit der Phänomene faszinierte, aus denen sich prinzipiell -zumindest theoretisch - alles Weitere ableiten läßt. Im Studium habe ich dann auf der einen Seite die Grenzen der physikalisch möglichen Erklärungen der Natur (z.B. in der Quantenphysik und statistischen Thermodynamik) erfahren und damit die Überlappung zur Philosophie wiederentdeckt. Während meiner Doktorarbeit und in dem darauffolgenden Berufsleben habe ich wiederum gelernt, dass die praktische Umsetzung der naturwissenschaftlichen Erkenntnisse durchaus einen Reiz hat.

Welche Eigenschaften braucht man aus ihrer Sicht, um sich für Naturwissenschaften zu begeistern?
Zunächst braucht man den Antrieb, die Dinge in ihrem Wesen erfassen und verstehen zu wollen, d.h. ein rationales „Modell“ zu bauen, mit dem sich beobachtete Phänomene widerspruchsfrei interpretieren und erklären lassen.
Jedes vom Menschen gemachte „Modell“ wird jedoch früher oder später an Grenzen stoßen und die Wirklichkeit in bestimmten Fällen unvollständig beschreiben. Hier ist der Naturwissenschaftler gefordert, diese Widersprüche als Anlass und Ansporn zu nehmen, um das „Modell“ zu verbessern oder gar ein ganz neues „Modell“ zu bauen.

Welche Stärken sollte man mitbringen?
Als Naturwissenschaftler muss ich stets an weiteren Verbesserungen meines Verstehens glauben und arbeiten, wohl wissend, dass das Wissen trotzdem stets endlich und das Nicht-Wissen stets unendlich bleiben wird. Man braucht also eine hohe Frustrationsschwelle, schließlich trägt jedes positive Ergebnis die eigene inhärente Unvollkommenheit in sich.

Gibt es etwas, das Sie dem akademischen Nachwuchs mit auf den Weg geben wollen?
Als Wissenschaftler wird man die Grenzen des Wissens und Verstehens immer etwas weiter zu verschieben versuchen, ohne den vollkommenen Durchbruch zu erreichen. Hierzu braucht man analytisch-kognitive Fähigkeiten. Aber die Ausdauer, trotz Rückschläge stets voller Elan weiter zu machen, ist mindestens genau so wichtig wie die rein wissensbezogenen Aspekte. Dies ist übrigens auch in dem industriellen Arbeits- und Forschungsalltag von unschätzbarer Bedeutung.

Was hat Sie auf die Nanotechnologie gebracht?
Die Nanotechnologie befindet ich auf einer mesoskopischen Ebene zwischen Quantenphysik und Makrowelt, in der Struktur-Eigenschaftsbeziehungen eine besondere Herausforderung darstellen. Hier können Physiker ihr auf Ursache-Wirkungs-Prinzipien beruhendes Materialverständnis besonders gut einbringen. Zudem ist die Nanotechnologie als ein interdisziplinäres Querschnittsthema ein ideales Betätigungsfeld insbesondere im industriellen Umfeld.

Woher kommt Ihre Faszination für Carbon Nanotubes?
Kohlenstoffnanoröhren kommen je nach Typ idealen Strukturen bereits sehr nahe, woraus die besonderen mechanischen, thermischen und elektronischen Eigenschaften resultieren. Hier kann ein Naturwissenschaftler prüfen, ob unsere Materialmodelle die Wirklichkeit hinreichend gut beschreiben und wo sie ggf. noch ergänzt bzw. erweitert werden müssen. Aus Anwendersicht ist es dann wiederum eine Herausforderung, die besonderen Eigenschaften der CNT für eine breite Nutzung mit relevanten Anwendungen auf verschiedenen Gebieten aus dem Labor herauszubringen und im großen Maßstab breit verfügbar zu machen.

Welche Perspektiven sehen Sie für CNT-Anwendungen in Zukunft?
Die Anwendungen von CNT in den Bereichen Energie, Klima, Umwelt, Ressourceneffizienz und damit auch bei der Mobilität sind vielversprechend. Deshalb hat Inno.CNT genau in diesen Gebieten Anwendungsprojekte platziert.

Welche Rolle sehen Sie für die Innovationsallianz Inno.CNT im Entwicklungs- und Umsetzungsprozess?
Durch die Vernetzung von Basistechnologien (wie Herstellung, Modifikation und Dispergierung von CNT) untereinander und mit den Anwendungsthemen ist eine Beschleunigung bei der Entwicklung und Umsetzung innerhalb von Inno.CNT zu erwarten. Ausgehend von diesen initialen Effekten von Inno.CNT erwarte ich auch eine weit darüber hinaus gehende Intensivierung der CNT bezogenen Entwicklungen inner- und außerhalb von Deutschland. Zudem zeigen wir in Inno.CNT beispielhaft, dass die frühzeitige Betrachtung der Sicherheitsaspekte die nachhaltige Nutzung der CNT-Materialien und Technologien auch außerhalb der Allianz wirksam unterstützen kann.

Die Lösung welches gesellschaftlichen Problems würden Sie gerne beschleunigt wissen wollen?
Die Lösung einer nachhaltigen Energieversorgung scheint mir eine der wichtigsten technologischen, politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen zu sein, die das Leben zukünftiger Generationen sicher entscheidend beeinflussen wird.

Womit können Sie nach der Arbeit am besten abschalten?
In der modernen Arbeitswelt verschwimmen die Grenzen der Arbeit immer stärker. Um doch ein gewisses Rückzugsgebiet zu erhalten, gehe ich gerne regelmäßig zum Joggen. Dabei kann ich für eine Zeit ohne Telefon, E-Mails und Diskussionen für mich allein sein und die Welt hinter mir lassen.

Welche historische Person schätzen Sie besonders?
Martin Luther: Der Gedanke des nachhaltigen Reformierens von etwas bereits Bestehendem und seine Standfestigkeit faszinieren mich schon immer. Das ist auch durchaus ähnlich zum Vorgehen in der Naturwissenschaft und ist auch wünschenswert im Alltag.

Wie lautet Ihr persönliches Lebensmotto?
Lieber eine (auch noch so kleine) Kerze anzünden, als über die Dunkelheit schimpfen.